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DIALOG- Fachstelle für Mediation in Strafsachen / Täter-Opfer-Ausgleich

DIALOG richtet das Angebot einer Mediation/Täter-Opfer-Ausgleichs (TOA) an die in einem Strafverfahren beteiligten Beschuldigten und Geschädigten, denen es ermöglicht werden soll, die Straftat und ihre Folgen mit Unterstützung eines allparteilichen Dritten (Vermittler) eigenverantwortlich zu bearbeiten. Ziel ist es, durch die Mediation/den TOA den Konfliktbeteiligten die Möglichkeit zu geben, in der persönlichen Begegnung die zugrunde liegenden und entstandenen Konflikte zu bereinigen und den Schaden zu regulieren.

Die Wiedergutmachung umfasst neben finanziell bezifferbaren Schäden auch den Bereich der körperlichen und psychischen Beeinträchtigung des Geschädigten. Die Mediation/der TOA bietet einen Raum, um zwischen den Interessen des Geschädigten und den Möglichkeiten des Beschuldigten einen Weg zu finden, der für beide Seiten tragfähig ist.


Jahresbricht 2015

Einleitung

Im Folgenden legen wir den Tätigkeitsbericht und die Statistik für das Jahr 2015 vor.
Hauptbestandteil des Berichts sind erneut die statistischen Daten des vergangenen Jahres für den Täter-Opfer-Ausgleich in den Landgerichtsbezirken Mainz und Bad Kreuznach. Zwar konnten die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr erneut nicht gesteigert werden, aber zumindest gab es auch keinen weiteren Fallrückgang.
Besonderes Augenmerk bei der Auswertung der abgeschlossenen Fälle wurde dieses Mal auf die Fälle gelegt, in denen die erste Anregung zum TOA durch die Polizei erfolgte. Die Ausgangsüberlegung war, dass die Polizei für die Auswahl von Fällen für den Täter-Opfer-Ausgleich prädestiniert ist, weil hier in der Regel ein persönlicher Kontakt zu allen Konfliktbeteiligten besteht. In Kapitel 4 wird unter „Polizei – Ausgleichbewertung“ dargestellt, zu welchen Ergebnissen die Vermittlungen in diesen Fällen im Vergleich zu den anderen Fällen geführt haben.
Darüber hinaus werden in dem Bericht unsere Aktivitäten in der Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit dargestellt sowie die Maßnahmen zur Sicherung der Qualität unserer Arbeit.

Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit

Im Jahr 2015 wurde der im Vorjahr begonnene Schwerpunkt, Polizeibeamte als wichtiger Multiplikator und Kooperationspartner in Sachen Täter-Opfer-Ausgleich anzusprechen, abgeschlossen. Nachdem in 2014 alle Polizeiinspektionen des Landgerichtsbezirks besucht werden konnten, erfolgte zum Abschluss dieser Kontakte ein Besuch der Jugendsachbearbeiter der Polizei im Haus des Jugendrechts Mainz. Den Erfolg dieser Kontaktpflege konnten wir anhand unserer Jahresstatistik nun auswerten, da ein großer Teil der von der Polizei angeregten und mit den Beteiligen vorbesprochenen Verfahren hinterher bei der konkreten Vermittlung auch sehr erfolgreich umgesetzt werden konnten. Näheres hierzu ist in der Statistik zum Punkt Ausgleichsbewertung Polizei zu entnehmen.

Gemäß der Absprache im Gespräch mit der neuen LOStAin Frau Keller wurde in 2015 die persönliche Kontaktpflege der Dialog-Mitarbeiter zur Staatsanwaltschaft in Mainz intensiviert. Es konnten zwei Dienstbesprechungen mit der Jugendabteilung und dem Dezernat Gewalt in engen sozialen Beziehungen durchgeführt werden. Darüber hinaus nahmen MitarbeiterInnen von DIALOG an insgesamt 4 Veranstaltungen mit Rechtsreferendaren der Landgerichte Mainz und Bad Kreuznach teil. Weiterhin fand am 23.09.15 in den Räumlichkeiten von DIALOG Mainz eine Einführungsveranstaltung für die neuen Staatsanwälte statt. Hier konnten die rechtlichen Bezüge des TOA und die praktische Arbeit der Fachstelle vorgestellt und die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft vertieft werden.

Der fachliche Austausch und die Vernetzung des Täter-Opfer-Ausgleich wurden durch den Besuch der Teamsitzung der Bewährungshilfe in Mainz abgerundet.

Eine weitere sehr interessante Veranstaltung war die Vorführung des Spielfilms „Beyond Punishment“ (sinngemäß übersetzt: nach der Strafe) in Kooperation mit dem Kino Pallatin in Mainz. Der Film erzählt die Geschichte von Leola, Lisa und Sean, von Erik und Stiva, von Patrick und Manfred. Die Protagonisten dieser drei Konflikte haben bislang keinen Frieden gefunden mit der jeweils ihr Leben verändernden Gewalttat, weder die Opfer noch die Täter. Auch Jahre nach dem Strafurteil und verbüßter Zeit im Strafvollzug sind beide Seiten weiterhin auf der Suche. Das Konzept der Restorative Justice (sinngemäß übersetzt: Wiederherstellende Gerechtigkeit) geht davon aus, dass es hilfreich sei, die andere Seite zu verstehen, also zu erfahren, was den anderen bewogen hat, die Tat zu begehen. Oft wird angenommen, dass eine tatsächliche Begegnung zwischen den beteiligten Menschen machbar und hilfreich sei. Der Film untersucht dies in seinen drei Fällen sehr genau.

Nach der Filmvorführung bot DIALOG-Mainz eine Diskussionsrunde im Kino zu den im Film aufgeworfenen Fragen und zur Praxis der „Restorative Justice“ in Deutschland an. Daraus entwickelte sich eine interessante und lebhafte Diskussion mit Menschen, die sich gegebenenfalls erstmalig mit dem Thema befassten, aber auch mit Fachleuten, die in ihrem Berufsalltag regelmäßig damit konfrontiert werden.

Die öffentliche Information über die Möglichkeiten des Täter-Opfer-Ausgleich wurde durch die Artikelserie der Allgemeinen Zeitung Mainz im Herbst 2015 fortgesetzt. Darin wurde ausführlich über den Ablauf eines Täter-Opfer-Ausgleichs, den Zugang zum Angebot für Beteiligte von Strafverfahren und die Chancen des Täter-Opfer-Ausgleichs berichtet.

In der Tradition der letzten Jahre engagiert sich DIALOG Mainz und Bad Kreuznach weiterhin in der Landesarbeitsgemeinschaft für Täter-Opfer-Ausgleich in RLP und somit für die gesamte fachliche Weiterentwicklung des TOA. Der Sprecher der LAG war auch im letzten Jahr Herr Marcus Schwörer, Mitarbeiter von DIALOG Bad Kreuznach.

Qualitätssicherung

Im Sinne der Qualitätssicherung besuchten die Mitarbeiter von DIALOG auch in 2015 eine Reihe von Veranstaltungen. Am 23.06.15 hat Frau Hölzer an einem Workshop zum Thema „Zukunft der TOA-Statistik“ teilgenommen. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat dazu einen kleinen Kreis von etwa 20 ExpertInnen zur Diskussion über die sogenannte ‚bundesweite’ TOA-Statistik nach Berlin eingeladen.

Am 23.11.15 nahmen Herr Jarosch und Frau Piella an einer Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Täter-Opfer-Ausgleich e.V. unter dem Titel „TOA im Justizvollzug: Möglichkeiten der Aufarbeitung anbieten und ausweiten“ in Frankfurt/M teil.

Die TOA-Szene beschäftigte sich im Jahr 2015 weiterhin intensiv mit der Europäischen Opferschutzrichtlinie und dem daraus entstandenen 3. Opferrechtsreformgesetz (3. ORRG). Am 24.06.15 haben sich die PraktikerInnen aus den TOA-Vermittlungsstellen zum Austausch und zur Erarbeitung von Vorschlägen, wie die neue Informationspflicht über den TOA umgesetzt werden kann, in Köln getroffen. Bei diesem Arbeitstreffen wurde die Fachstelle in Mainz durch 2 MitarbeiterInnen vertreten. Vom 17. bis zum 18.12.15 hat eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel einer Überarbeitung der TOA-Standards in Frankfurt/M getagt. Beide Veranstaltungen wurden durch das TOA-Servicebüro einberufen.

Teamintern wurde die Verpflichtung im Rahmen der bundesweiten Zertifizierung zur Reflektion der eigenen Vermittlerarbeit durch die begleitende Supervision umgesetzt. In Abständen von ca. 6 – 8 Wochen nimmt DIALOG Mainz/Bad Kreuznach gemeinsam mit dem Kollegen von DIALOG Koblenz an externen Supervisionen teil. Ergänzt werden diese Reflektionen durch regelmäßig statt findende Teamsitzungen, teils mit Beteiligung der Geschäftsführung.

Seit dem Jahr 2013 besteht zwischen der Fachstelle DIALOG Mainz und dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit der Fachhochschule Darmstadt eine engere Zusammenarbeit. Regelmäßig bietet DIALOG den Studenten des Bachelor-Studienganges „Soziale Arbeit“ die Möglichkeit praktische Erfahrungen zum Gedanken der Restorative Justice zu sammeln. Es handelt sich um ein 2-semestriges Praktikum, das sich aus einem 1-wöchigen Blockpraktikum und wöchentlichen Einsätzen von ca. 5 Zeitstunden während der Semesterzeit zusammensetzt. So konnte auch im Jahr 2015 eine Praktikumsstelle besetzt werden.
Darüber hinaus wurde einem angehenden Mediator in Strafsachen die Möglichkeit gegeben, im Rahmen seiner Ausbildung bei DIALOG Mainz, seinen Praxisteil zu absolvieren.


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