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Auch das Jahr 2010 war geprägt von einer hohen Arbeitsdichte und die Wohngruppe Ikarus konnte mit ihren beiden Häusern und der Außenwohnung ihrem Auftrag gerecht werden, aus der Haft in ungesicherte Verhältnisse Entlassenen, Probanden der Bewährungshilfe und Menschen ohne festen Wohnsitz Hilfe anzubieten. Hilfe im Rahmen des gesetzlichen Auftrages nach dem SGB XII und hier insbesondere des achten Kapitels Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten §67ff SGB XII.

Arbeitsaufnahme und eigene Wohnung, als klassische Resozialisierungsziele, ist dabei zunehmend schwieriger geworden. Dies ist in den vor allem in den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen (Arbeitsmarktsituation, Sanktionierungen durchs Jobcenter, abnehmende öffentliche Förderungen, ...) und in der zunehmenden Problembelastung unserer Bewohner selbst (mangelndes Durchhaltevermögen, geringe
Frustrationsschwelle, mangelnde berufliche Qualifikation, Schuldenprobleme, psychische Instabilität, Suchtverhalten, ...) begründet.

Die Suchtproblematik, insbesondere Alkoholsucht, trat in einem Fall so massiv in den Vordergrund, dass dies auch Auswirkungen auf die gesamte Wohngruppenarbeit hatte, da hier viel Energie seitens der Betreuung als auch der Mitbewohner gebunden wurde.

Motivationsarbeit und massiver Druck, in Form einer Kündigungsandrohung des Wohngruppenvertrages, bewegten den Klienten dazu, sich auf eine Suchtberatung
mit Ziel einer stationären Therapie einzulassen. Dazu beigetragen haben auch zum Teil seine Mitbewohner, die ihn immer wieder gedeckt hatten, aber auch in der Entscheidung zur stationären Therapie unterstützen. Insofern trug die Suchtproblematik eines Bewohners teilweise zur Entwicklung des sozialen Verhaltens der anderen bei.

Verstärkt wurde die hohe Arbeitsdichte durch eine Praktikantin, die ihr 6-monatiges Praktikum in der Wohngruppe Ikarus absolvierte. Auch wenn PraktikantInnen dazu beitragen, dass wir uns immer wieder mit unseren Arbeitsinhalten und Methoden neu auseinander setzen, so bedeutet es aber auch in vielen Fällen eine erhöhte Arbeitsbelastung. Dennoch werden wir auch im nächsten Jahr einen Praktikumsplatz zur
Verfügung stellen.

Über die Erfolge unserer Betreuungsarbeit lässt sich grundsätzlich folgende Aussage treffen:
Die Wohngruppe kann vor allem eine Struktur, persönliche Ansprache und Beratung, sowie administrative Hilfestellungen zur Existenzsicherung anbieten. Entscheidend für einen erfolgreichen Verlauf unseres Wohn- und Betreuungsangebotes ist das Maß an Eigenverantwortlichkeit des Bewohners, d.h. die Bereitschaft, sich in den Betreuungsprozess einzubringen. Dieses ist notwendig, um nachhaltige und dauerhafte Veränderungen zu einer positiven Lebensführung hin zu realisieren.

Können die Bewohner trotz Betreuung diesen Anforderungen letztlich nicht gerecht werden, sind auch Mindestbetreuungsziele nicht zu erreichen und der Wohngruppenalltag gestaltet sich schwierig. Ein Teil unserer Bewohner hat es auch in 2010 durchaus geschafft, sich durch unser Angebot eine Startbasis in ein straffreies, eigenverantwortliches Leben zu erarbeiten. Dem anderen Teil ist dies weniger oder nicht gelungen, indem aus gutem Grund Kündigungen ausgesprochen werden mussten oder die Bewohner selbst ohne große Fortschritte die Wohngruppe verlassen haben.

Aus unserer Sicht ist dennoch klar erkennbar, dass betreute Wohngruppenarbeit weiterhin ein wichtiger Bestandteil im Hilfesystem der resozialisierenden Straffälligenhilfe ist. Gerade unsere Zielgruppe mit ihrer hohen Problembelastung braucht immer wieder Chancen, um Perspektiven und positive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu erhalten und zu entwickeln.


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